Wieder gibt es in den USA positive Nachrichten für alle Dampfer: Die American Heart Association (AHA) hat sich nach jahrelanger Informationsabstinenz zu Wort gemeldet und ein Statement zur E-Zigarette abgegeben.

20-seitige Stellungnahme der American Heart Association

Die American Heart Association ist eine Non-Profit-Organisation und beschäftigt sich überwiegend mit Themen wie Schlaganfall und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Da das Rauchen eine der häufigsten Ursachen für diese Krankheiten ist, führt die AHA viele Untersuchungen zum Thema durch und beschäftigt sich intensiv mit den Gesundheitsrisiken für Menschen.

Kürzlich veröffentlichte die AHA eine 20-seitige Mitteilung, in der sie zum ersten Mal eine klare Position zum Thema E-Zigarette bezieht. Diese fällt entgegen den Erwartungen gemäßigt aus: Die Experten der Organisation stellen die These auf, dass die E-Zigarette für Raucher tatsächlich eine Hilfe sein könnte, um vom Rauchen von Tabakzigaretten loszukommen. Daher ruft die Organisation dazu auf, das Dampfen von E-Zigaretten nicht zu verteufeln, da es bislang nicht genügend Gründe dafür gäbe.

Dampfen sicherer als rauchen

In ihrer Stellungnahme bezieht sich die Amercian Heart Association auf aktuelle Ergebnisse der Forschung. Die zeigen auf, dass beim Dampfen von E-Liquids entweder überhaupt keine oder zumindest deutlich weniger mögliche oder sicher gesundheitsgefährdende Bestandteile freigesetzt werden, die beim Konsumieren von Zigaretten und rauchfreiem Tabak entstehen. Steigen Raucher von Tabakzigaretten also auf die E-Zigarette um, um diese als Ersatz zu dampfen, so ist dies für die Raucher eine sicherere Variante.

Die AHA führte außerdem aus, dass sie die E-Zigarette auf der Basis von Forschungsergebnissen als eine Möglichkeit ansähe, um Zigaretten-Raucher bei der Entwöhnung zu unterstützen.

Kein „Freifahrtschein“ für die E-Zigarette

Dennoch räumt die AHA als Gesundheitsorganisation nicht komplett alle Zweifel aus dem Weg, sondern bleibt weiterhin aufmerksam. Denn auch wenn die elektronische Zigarette weitaus sicherer als die herkömmliche Zigarette ist, weisen die AHA-Experten auf die Gefahr hin, dass Rauchen verharmlost werden könnte. Seit vielen Jahrzehnten kämpft die American Heart Association darum, das Rauchen einzudämmen. Durch die E-Zigarette bestünde das Risiko, dass Rauchen wieder zunehmend als „normal“ empfunden würde. Dies würde Kindern und Jugendlichen wiederum den Zugang zum Rauchen erleichtern.

Dass die AHA klar Stellung bezieht und sich nicht – wie viele andere Organisationen – schlichtweg auf die zu dürftige Informationsbasis beruft und die E-Zigarette konsequent ablehnt, überrascht. Denn sowohl Politik wie Gesundheitsorganisationen hatten sich in den letzten Jahren mit Nachdruck und trotz fehlender Argumente gegen die E-Zigarette und die Hersteller aufgelehnt.

Ihre Begründung hatten sie stets darauf bezogen, dass die elektronische Variante ebenso gefährlich wie herkömmliche Tabakzigaretten sei.

Mehr Langzeitstudien notwendig

Trotz der positiven Stellungnahme betont die AHA auch, dass die Informationsbasis zu den Auswirkungen der E-Zigarette für eine fundierte Abwägung noch zu gering sei. Es sollten mehr Langzeitstudien angelegt werden. In einem Punkt ist sich die Organisation jedoch schon sicher: Der Passivdampf einer E-Zigarette birgt aller Wahrscheinlichkeit nach deutlich weniger Risiken für Nichtraucher als der Passivrauch einer Zigarette.

Furcht vor der Lobby der Tabakindustrie

Die AHA unterstützt die Food and Drug Administration (FDA) bei der angedachten Regelung der E-Zigarette. Sie möchte vermeiden, dass die US-amerikanische Tabakindustrie die Bestimmungen aufgrund ihrer großen Lobby mehr oder weniger diktieren kann. Diese könnte so nämlich zukünftig noch mehr herkömmliche Zigaretten verkaufen und zugleich auch noch die Nutzer von E-Zigaretten soweit steuern, dass sie früher oder später ebenfalls zur Nikotinzigarette greifen. Die Experten der Gesundheitsorganisation gehen davon aus, dass sich dadurch die Zigarettenabhängigkeit noch stärker ausweiten könnte.

Empfehlung: Steuerung über Altersgrenze, Werbeverbot und Steuern

Die Empfehlung der American Heart Association geht dahin, für E-Zigaretten eine ähnliche Regulierung wie für Tabakprodukte einzuführen, beispielsweise was die Altersgrenzen für den Verkauf oder das Werbeverbot betrifft. Sehr hilfreich könnte außerdem eine hohe Besteuerung sein. Diese müsse zum einen so hoch sein, dass Kinder dadurch vom Kauf abgeschreckt würden. Zum anderen sollte sie aber geringer sein als die herkömmlicher Tabakzigaretten, damit für Raucher ein Anreiz zum Umstieg auf die sicherere E-Zigarette geschaffen wird.