Gerade einmal ein gutes Jahrzehnt gibt es die E-Zigarette und das elektrische „Dampfen“. Da ist es verständlich, dass die Unsicherheit und der Informationsbedarf groß sind. Unter Hochdruck arbeiten Forscher auf der ganzen Welt derzeit an Studien zu Konsumverhalten sowie Sicherheit und Risiken, doch aussagekräftige Ergebnisse gibt es erst wenige. Wer sich über E-Zigaretten informieren will, stößt daher auf einen Dschungel aus Spekulationen und Halbwissen. Um etwas Licht ins Dunkel zu bringen, haben wir uns einen Überblick über den aktuellen Stand der Forschung verschafft und geben Ihnen hier Antworten auf die häufigsten und wichtigsten Fragen zum Thema E-Dampfen.

Wie schädlich ist die E-Zigarette?

Die E-Zigarette gilt als die „weniger schädliche Alternative“ zur herkömmlichen Tabakzigarette. Doch woher kommt dieser Ruf? Und kann sie ihm tatsächlich gerecht werden?

Eines sei von vornherein klargestellt: Nikotin ist ein Nervengift und sein Konsum daher nie „gesund“. Dass die E-Zigarette als weniger schädliche Alternative zum Rauchen von Zigaretten gilt, rührt daher, dass ein Großteil der Giftstoffe, die beim Verbrennen von Tabak entstehen und von Rauchern eingeatmet werden (Teer, Kohlenwasserstoff, Kohlenmonoxid, etc.), den Konsumenten von E-Zigaretten erspart bleiben. Da hier kein Tabak verbrannt, sondern lediglich ein schadstoffarmes Liquid verdampft wird, ist die Inhalation ungesunder Stoffe im Vergleich zum Zigarettenrauch deutlich reduziert. Jetzt zeigen auch Studien, dass der Umstieg von Tabakzigaretten auf E-Zigaretten gesundheitliche Vorteile zu haben scheint.

Eine Forschergruppe aus Italien und Großbritannien führte eine Studie an 300 Rauchern durch, die nicht mit dem Rauchen von Tabakzigaretten aufhören wollten (1). Die Probanden dieser sogenannten „ECLAT“-Studie wurden nach dem Zufallsprinzip in drei Gruppen aufgeteilt und mit E-Zigaretten ausgestattet. Zwei Gruppen bekamen Liquids mit unterschiedlichem Nikotingehalt und eine Gruppe ein nikotinfreies Liquid. Alle Gruppen verringerten ihren durchschnittlichen Tabakzigaretten-Konsum. Die Forscher fanden eine direkte Korrelation zwischen der durchschnittlichen Anzahl gerauchter Zigaretten und dem Gesundheitszustand der Probanden. Viele berichteten einen deutlichen Rückgang von Beschwerden wie Husten, Kurzatmigkeit und Mundirritation. Ein Forscherteam der Queen Mary University of London um Suchtforscher Peter Hajek (2) sichtete bisher veröffentlichte Studien zu Gebrauch, Inhalt, Sicherheit und Auswirkungen von E-Zigaretten auf ihre Konsumenten und kam zu dem Schluss, dass der Dampf von E-Zigaretten deutlich weniger Giftstoffe zu enthalten scheint als der Rauch von Zigaretten. Die Studien legten außerdem nahe, dass Dampfer im Vergleich zu Rauchern deutlich weniger Langzeitschäden davontragen. Der Dampf der E-Zigarette kann zwar, so die Forscher, „einige der Giftstoffe enthalten, die in Zigarettenrauch enthalten sind, jedoch in weitaus geringerer Konzentration“ (Übers. D. Red.). Auch das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) kommt zu der Schlussfolgerung, dass „ein vollständiger Umstieg vom Rauchen auf E-Zigaretten […] wahrscheinlich das Gesundheitsrisiko senken [kann]“ (3).

Vor allem ist hier natürlich von Nikotin die Rede. Wenngleich es auch Liquids ohne Nikotin gibt, greift der Großteil der Konsumenten zu nikotinhaltigen Produkten. Gerade, weil der Markt kaum reguliert ist, ist die Sorge groß, der Nikotingehalt in Liquids könnte höher sein als angegeben. Besonders unerfahrene Dampfer befürchten, dass sie sich beim Konsum von E-Zigaretten mehr Nikotin zuführen könnten als beim Rauchen. Dies rührt vor allem daher, dass der Effekt des Nikotins beim E-Zigarette-Dampfen etwa eine halbe Minute auf sich warten lässt (beim herkömmlichen Rauchen nur ca. fünf Sekunden) und so gerade in der Umgewöhnungsphase häufiger an dem Gerät gezogen wird. Ein Vergleich unter sechs Liquid-Herstellern in Großbritannien zeigte jetzt aber (4), dass der Nikotingehalt in den Liquids zwar variiert, die Konzentration im Dampf jedoch bei keinem Produkt die Höhe des Nikotingehalts in Zigarettenrauch erreicht. Die Forscher schließen daraus, dass das Risiko einer Nikotinüberdosis bei Produkten von namhaften Unternehmen sehr gering ist. Achten Sie jedoch darauf, dass Sie sich nicht zum Kauf selbstgemischter Liquids von Privatanbietern verleiten lassen, denn hier ist auf die Angaben nicht zwangsläufig Verlass.

Die geringere Belastung gilt auch beim Passiv-Dampfen. Da die Gefahren, die vom Passiv-Rauchen ausgehen, seit Jahren wissenschaftlich dokumentiert sind, verwundert es nicht, dass hier die Sorge groß ist. Forscher der polnischen Medical University of Silesia untersuchten jetzt die Giftstoffe in Passiv-Dampf (5). Die Tests wiesen keinerlei Verbrennungs-Giftstoffe auf und zeigten außerdem, dass der Nikotingehalt beim Passiv-Rauchen etwa zehnmal so hoch ist wie beim Passiv-Dampfen. Welche gesundheitlichen Auswirkungen das Nikotin in Passiv-Dampf für die Betroffenen hat, muss noch untersucht werden. Die Forscher sind sich jedoch einig, dass die Gefahr für die Gesundheit geringer ist als beim Passiv-Rauchen.

Fazit: Nikotin ist ein suchtfördernder Giftstoff und daher gesundheitsschädlich, egal ob in Form einer E-Zigarette oder ihres tabakhaltigen Verwandten. Die erwähnten Studien legen aber nahe, dass besonders die durch im Zigarettenrauch enthaltenen Verbrennungs-Giftstoffe hervorgerufenen Gesundheitsschäden beim elektrischen Dampfen entfallen. Wer also bereits Raucher ist und auf das Nikotin nicht verzichten will, der kann seinem Körper durch den Konsum von E-Zigaretten zumindest die zusätzliche Belastung ersparen.

Verleiten E-Zigaretten Kinder und Jugendliche dazu, mit dem Rauchen anzufangen?

Gerade weil die Liquids der E-Zigarette in so verlockenden Geschmacksrichtungen wie „Ananas“ und „Tiramisu“ angeboten werden, werden immer wieder Befürchtungen laut, Kinder könnten sich von dem angenehmeren Geschmack eher dazu verleiten lassen eine E-Zigarette zu probieren als die gewöhnungsbedürftigere Tabakzigarette. Das DKFZ stellt darum klar, es sei „sicherzustellen, dass Kinder und Jugendliche nicht durch aggressives Marketing zum Konsum verführt werden“ (5). Die Forscher um Peter Hajek untersuchten in ihrem Studien-Vergleich (2, siehe oben) auch, ob es Anzeichen dafür gibt, dass Kinder oder erwachsene Nichtraucher zu regelmäßigen Dampfern werden. Sie kamen zu dem Schluss, dass „EC [E-Zigaretten] unter Rauchern zunehmend an Popularität gewinnen, es aber bis jetzt keine Hinweise dafür gibt, dass sie regelmäßig von Nichtrauchern oder nichtrauchenden Jugendlichen genutzt werden“ (Übers. d. Red.). Vielmehr biete die E-Zigarette bereits bestehenden Rauchern eine Alternative zur Reduktion des Konsums von Tabakzigaretten und würde in einigen Fällen sogar helfen, vom Rauchen komplett auf das Dampfen umzusteigen.

Kann die E-Zigarette helfen, das Rauchen von Tabakzigaretten aufzugeben?

Auch andere Studien kommen zu dem Schluss, dass die E-Zigarette Rauchern bei der Reduktion oder sogar der kompletten Aufgabe von Tabakzigaretten helfen kann. Zwar weist das DKFZ in seiner Stellungnahme darauf hin, dass die Forschungslage derzeit noch nicht ausreiche, um eine definitive Aussage zur Wirksamkeit der E-Zigarette als Hilfsmittel für die Rauchentwöhnung zu treffen, doch es häufen sich Studien, die einen unterstützenden Effekt der E-Zigarette nahelegen.

Eine Forschergruppe um Professoren der School of Population Health an der University of Auckland (6) untersuchte 657 Raucher, die den Wunsch hatten, mit dem Rauchen von Tabakzigaretten aufzuhören. Verglichen wurde der Erfolg der Probanden, die bei ihrem Vorhaben entweder durch nikotinhaltige E-Zigaretten, nikotinfreie E-Zigaretten oder Nikotinpflaster unterstützt wurden. Die bereits oben erwähnte „ECLAT“-Studie wurde im Gegensatz dazu an 300 Rauchern durchgeführt, die nicht mit dem konventionellen Rauchen aufhören wollten (1). Hier wurde die Aufhörerquote bei Einsatz von E-Zigaretten mit und ohne Nikotin verglichen. In beiden Studien zeigte sich, dass alle Methoden der Rauchentwöhnung zuträglich waren, sogar bei den Probanden, die angegeben hatten, nicht mit dem Rauchen von Tabakzigaretten aufhören zu wollen. Die Quote derer, die sechs Monate lang gar nicht zur konventionellen Zigarette griffen, lag über alle Probandengruppen hinweg zwischen 4 und 11 Prozent. Am niedrigsten war die Aufhörerquote jeweils bei den Probandengruppen mit nikotinfreien Liquids. 4,1 und 5 Prozent der Teilnehmer gaben hier das Rauchen von Tabakzigaretten auf. Daraus schließen die Forscher, dass die Ersatzhandlung allein dabei helfen kann, auf konventionelle Zigaretten zu verzichten. Die höchste Verzichtquote hatten jeweils die Gruppen, die E-Zigaretten mit Nikotin verwendeten. 7,3 und 11 Prozent der Teilnehmer rauchten in den jeweiligen Studien sechs Monate lang keine Tabakzigaretten. Bei der Gruppe, die das Nikotinpflaster verwendete, lag die Aufhörerquote bei 5,8 Prozent. Die Forscher der ECLAT-Studie (1) stellten außerdem fest, dass die erzielte Aufhörerquote „vergleichbar zu sein scheint mit Zahlen, die in medizinischen Studien für bereits etablierte Medikamente zur Behandlung von Nikotin-Abhängigkeit genannt werden“ (1, Übers. d. Red.). Es ist zu betonen, dass die Erfolgsquote ehemaliger Raucher von Tabakzigaretten, die etablierte Medikamente zur Behandlung von Nikotin-Abhängigkeit nutzen, ansteigt, wenn sie zusätzlich beratend betreut werden.
Aus unserer Sicht muss man hier aber unterscheiden. Die Gruppe, die E-Zigaretten mit Nikotin verwendeten, haben im Gegensatz zu den beiden anderen Gruppen den Nikotinkonsum nicht dauerhaft eingestellt. Diese Gruppe ist von der Tabakzigarette auf die E-Zigarette umgestiegen. Die höhere Quote zeigt also, dass es den Teilnehmern leichter fiel, die E-Zigarette als Alternative zu nutzen, als mit dem Rauchen gänzlich aufzuhören.

Quellen:

  1. Caponnetto, P., Campagna, D., Cibella, F., Morjaria, J.B., Caruso, M., et al. (2013). „EffiCiency and Safety of an eLectronic cigAreTte (ECLAT) as Tobacco Cigarettes Substitute: A Prospective 12-Month Randomized Control Design Study”. PLoS ONE. 8(6): e66317. doi:10.1371/journal.pone.0066317
  2. Hajek, P., Etter, J.-F., Benowitz, N., Eissenberg, T. and McRobbie, H. (2014). „Electronic cigarettes: review of use, content, safety, effects on smokers and potential for harm and benefit”. Addiction. doi: 10.1111/add.12659
  3. Stabsstelle Krebsprävention / WHO-Kollaborationszentrum für Tabakkontrolle. (2014). „Stellungnahme zur kontroversen Diskussion um E-Zigaretten”. https://www.dkfz.de/de/tabakkontrolle/download/Publikationen/Stellungnahmen/DKFZ_Stellungnahme_E-Zigarette_2014.pdf
  4. Goniewicz, M. L., Hajek, P. and McRobbie, H. (2014). „Nicotine content of electronic cigarettes, its release in vapour and its consistency across batches: regulatory implications”. Addiction. 109: 500–507. doi: 10.1111/add.12410
  5. Czogala, J., Goniewicz, M.L., Fidelus, B., Zielinska-Danch, W., Travers, M.J., Sobczak, A. (2014). „Secondhand exposure to vapors from electronic cigarettes”. Nicotine Tob Res. 16(6):655-62. doi: 10.1093/ntr/ntt203
  6. Bullen, C., Howe, C., Laugesen, M., McRobbie, H., Parag, V., Williman, J., Walker, N. (2013). „Electronic cigarettes for smoking cessation: a randomised controlled trial”. The Lancet. Volume 382, Issue 9905, Pages 1629 – 1637. doi:10.1016/S0140-6736(13)61842-5