© istock.com/librakv

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Der Verdampfer ist mit die wichtigste Einheit der E-Zigarette – immerhin entscheidet er über die Art und Intensität des Dampferlebnisses maßgeblich mit. Er hat allerdings einen entscheidenden Nachteil: Als Verschleißteil muss er regelmäßig ausgetauscht werden. Wer die Zeit und Lust hat, sich mit der Technik der E-Zigarette auseinanderzusetzen, findet evtl. an Selbstwicklern gefallen. So können Sie zusätzlich Dampfentwicklung und Geschmack steuern und sie an Ihre eigenen Vorlieben anpassen.

Selbstwickler: Was ist das?

Normale Einweg-Verdampfer sind auf die zeitlich begrenzte Nutzung ausgelegt. Sobald also die Heizspirale kaputt geht, wird die gesamte Verdampfer-Einheit ausgetauscht. Selbstwickler sind spezielle Modelle, die für die Wiederverwendung konzipiert sind und die sich besonders leicht zerlegen lassen. Anschließend können Sie selbst eine neue Heizspirale wickeln und den Verdampfer dadurch für die zweite Runde vorbereiten. Hier gibt es im Prinzip keine begrenzte Lebensdauer – Sie können so lange neu wickeln, bis der Selbstwickler vielleicht einmal beschädigt wird oder abgenutzt ist.

Während zum Beginn der E-Zigarette nur wenige Dampfer ihre Verdampfer selbst wickelten, ist es heute fast so verbreitet wie das Drehen oder Stopfen von Zigaretten. Mit etwas Übung kann jeder Laie den kleinen Heizdraht korrekt anbringen und dank ständig verbesserter Selbstwickler wird es immer einfacher. Mittlerweile gibt es im Handel weit über hundert verschiedene Selbstwickler, die unterschiedlichsten Ansprüchen gerecht werden.

Verdampfer selber wickeln: Die Vorteile

Wenn Sie Ihren Verdampfer selbst wickeln, bringt dies einige Vorteile mit sich:

  • Kosten: Anstatt die gesamte Einheit zu entsorgen, tauschen Sie lediglich die Heizwendel aus. Ob Edelstahl, Edelstahlsieb oder Glasfaser – egal welches Material Sie dafür verwenden, im Vergleich zum Kauf von fertigen Verdampfern sparen Sie Geld.
  • Geschmack: Auch wenn es sich wissenschaftlich bisher nicht untermauern ließ, schwören viele Dampfer darauf, dass selbst gewickelte Verdampfer den Geschmack der Liquids intensivieren.
  • Individualität: Je nachdem, welchen Draht Sie verwenden und wie stark Sie den Widerstand gestalten, können Sie die Dampfentwicklung der E-Zigarette nach oben oder nach unten korrigieren und so Ihr ganz individuelles Dampferlebnis generieren.
  • Umwelt: Auch wenn es sich bei Verdampfern nur um kleine Bauteile handelt – würde jeder Dampfer ständig seine Verdampfer wegwerfen, würde dies einen großen Müllberg bedeuten. Beim Selbstwickler wird nur der alte Heizdraht bzw. der Docht entsorgt, alles andere wird wiederverwendet.

Was anfänglich nach lästiger Fummelarbeit klingt, entwickelt sich für viele Dampfer schnell zum Hobby. Sie besitzen oft mehrere Selbstwickler, die sie immer wieder neu einstellen, neue Materialien ausprobieren oder mit dem Widerstand Tests durchführen.

Die Nachteile des Selberwickelns

Selbstwickler bergen auch einige Nachteile, die jedoch im Vergleich zu den Vorteilen weniger schwer wiegen:

  • Zeit: Natürlich müssen Sie Zeit aufwenden, wenn Sie Ihren Verdampfer selber wickeln möchten. Anfänglich brauchen Sie noch relativ lang, später schaffen Sie einen Verdampfer binnen weniger Minuten.
  • Flexibilität: Brennt Ihnen unterwegs die Heizspirale durch, können Sie nicht auf die Schnelle in der U-Bahn eine neue Wicklung vornehmen. Für solche Fälle benötigen Sie also entweder mehrere Selbstwickler, die Sie auf Vorrat wickeln und dabei haben, oder doch ein fertiges Ersatzstück für den „Notfall“.
  • Kosten: Auch wenn sich ein Selbstwickler im Regelfall recht schnell amortisiert – die Anschaffungskosten sind zunächst deutlich höher als bei vergleichbaren Einweg-Verdampfern. Dies gilt umso mehr, wenn man sich mehrere Verdampfer auf Ersatz oder zum Wechseln anschafft.
  • Liquidverbrauch: Häufig werden sogenannte Großraumverdampfer als Selbstwickler eingesetzt. Sie sind geschmacksintensiver, haben aber immer auch einen deutlich höheren Verbrauch an Liquid, was in Hinblick auf die Kostenrechnung berücksichtigt werden sollte.

Die benötigten Materialien

Bei den meisten Selbstwicklern ist eine kleine Auswahl an Materialien dabei, sodass Sie ein- oder zweimal wickeln können, ehe Sie sich um die Beschaffung von Material kümmern müssen. Dabei haben Sie die Wahl zwischen verschiedenen Materialarten. Am gängigsten sind dabei:

  • Glasfaser: Glasfaser ist der Klassiker für Selbstwickler. Dieses Material nimmt sehr viel Liquid auf und sorgt so dafür, dass die Heizwendel immer etwas zu tun hat. Glasfaser hat allerdings den entscheidenden Nachteil, dass sie zu kokeln beginnt, wenn der Liquidtank leer ist. Dies schmecken Sie ebenfalls sehr deutlich, wenn Sie dann noch einen Zug nehmen.
  • Ortmann-Docht: Ein Ortmann-Docht ist eine spezielle Form der Glasfaser, die eine gröbere Struktur aufweist. Deshalb nimmt sie noch mehr Liquid auf. Das Problem des Kokelns bleibt allerdings auch hier.
  • Edelstahlsieb (ESS): Dieses Material ist außerordentlich kostengünstig und kostet pro Wicklung nur wenige Cent. Das Material hat aufgrund der feinen Struktur eine hervorragende Speicherfunktion. Die Zufuhr des Liquids zur Heizwendel ist hier sichergestellt. Die sehr gute Dampf- und Aromaentwicklung dank dieses Materials macht ESS auch für Wickel-Profis zum Standard.
  • Silikatschnur: Silikatschnur ist die etwas teurere Alternative zur Glasfaser und wird deshalb meist von geübten Profis bevorzugt. Sie hat den entscheidenden Vorteil, dass sie auch hohen Temperaturen standhält. Damit müssen Sie nicht befürchten, dass die Schnur zu kokeln beginnt, wenn Liquid fehlt.

Außerdem benötigen Sie den Draht, aus dem Sie die Heizwendel herstellen. Hierfür können Sie entweder Kanthal- oder Nickel-/Chromdraht verwenden. Auch wenn der Draht in unterschiedlich starken Durchmessern erhältlich ist, werden für das Wickeln von Verdampfern überwiegend die Stärken 0,16 und 0,20 verwendet.

Welchen Draht Sie benötigen, hängt in erster Linie davon ab, welchen Widerstand Sie erreichen möchten. Je größer der Durchmesser des Drahtes ist, desto geringer ist der Widerstand und desto mehr Wicklungen benötigen Sie, um den gewünschten Wert zu erzielen. Dies ist auf die Masse des Drahtes zurückzuführen. Ist er dicker, so gibt es im Inneren deutlich mehr Elektronen als in einem vergleichbar langen Stück dünnen Drahtes. Der Strom fließt schneller hindurch, der Widerstand ist geringer. Sie benötigen also mehr Wicklungen (und damit auch ein längeres Stück) als beim dünnen Draht. Der dickere Draht hat eine größere Oberfläche als der dünne und kann somit mehr Liquid verdampfen, was zu einer gesteigerten Dampfmenge und oft auch zu einem intensiveren Geschmackserlebnis führt.

Flash, Dampf und Geschmack beim Wickeln anpassen

Durch die Veränderung verschiedener Ansatzpunkte können Sie den Flash, die Dampfmenge und die Intensität des Geschmacks individuell anpassen. Dafür können Sie folgende Variablen verändern:

  • Abstand zwischen dem Draht und der Faser
  • Art und Menge der Faser
  • Länge und Dicke des Drahtes
  • Stärke und Spannung des Stroms (Akku)

Je nachdem, wie Sie diese Aspekte bei der Wicklung variieren, erhalten Sie Unterschiede beim Flash, Geschmack und Dampf. Wählen Sie beispielsweise viel Draht, der mit großem Abstand gewickelt wird, und viel Faser, erhalten Sie einen intensiven Geschmack und viel Dampf, der Flash tritt dafür etwas in den Hintergrund. Einen starken Flash und viel Dampf bei eher unscheinbarem Geschmack erhalten Sie, wenn Sie wenig Faser und wenig Draht in kleinem Abstand wickeln.

Legen Sie eher Wert darauf, dass Sie einen deutlichen Flash, einen intensiven Geschmack und viel Dampf erhalten, sollten Sie eine größere Menge Faser mit wenig Draht in einem großen Abstand umwickeln. Verringern Sie den Abstand Schritt für Schritt, um die Dampfmenge etwas zu reduzieren.

Verdampfer selber wickeln: Häufige Fehler

Besonders am Anfang wird sicherlich nicht jeder Versuch sofort erfolgreich sein. Wenn das Ergebnis noch nicht überzeugt oder andere Probleme vorliegen, hilft Ihnen unsere Fehler-Übersicht:

 

Problem Lösung Lösung
Liquid gelangt in den Mund. Sie haben zu viel Faser oder zu wenig Draht gewählt. Es wird so viel Liquid zur Heizwendel transportiert, dass es nicht mehr vollständig verdampft werden kann. Verringern Sie die Fasermenge oder verwenden Sie – sofern möglich – mehr Draht.
Schon nach ein paar Zügen entsteht ein kokeliger Geschmack. Sie haben zu wenig Faser verwendet. Es gelangt nicht ausreichend Liquid an die Heizwendel. Verwenden Sie mehr Faser, um den Liquid-Transport zu verbessern.
Während des Dampfens schmeckt es immer wieder kokelig oder verbrannt. In diesem Fall ist der Abstand zwischen der Faser und dem Draht zu gering. Dadurch gelangt zu wenig Liquid an die äußere Wicklung. Vergrößern Sie den Abstand zwischen der Faser und dem Draht.
Metallischer Geschmack im Mund Zwischen Draht und Faser ist ein zu großer Abstand entstanden. Der Draht glüht. Verringern Sie den Abstand.
Es entsteht kaum Dampf bzw. erfordert viele Züge. Sie haben den Draht zu lang gewählt bzw. Ihr Akku ist nicht leistungsstark genug. Die Hitze an der Heizwendel reicht nicht, um das Liquid zu verdampfen. Wählen Sie einen leistungsstärkeren Akku oder kürzen Sie den Draht.

 

Verdampfer wickeln: So funktioniert es Schritt für Schritt

Grundsätzlich folgt das Wickeln des Verdampfers stets denselben Schritten:

  1. Sie zerlegen den Verdampfer in seine Einzelbestandteile.
  2. Sie entfernen den alten Heizdraht.
  3. Anschließend wickeln Sie den neuen Heizdraht um den Kapillarkörper. Die Enden des Drahtes werden meist mithilfe eines Federmechanismus oder mithilfe von Schrauben an den Plus- und Minuspolen eingeklemmt.

Minimal weichen die einzelnen Schritte allerdings je nach Verdampfermodell ab.

Deshalb empfehlen wir Ihnen die Videorecherche bei YouTube! Sie finden hier nahezu für alle gängigen und verbreiteten Selbstwickler Videos mit Schritt-für-Schritt-Anleitungen. Die nebenstehenden Videos zeigen Ihnen beispielhaft das Wickeln für die zwei relativ verbreiteten Modelle GG Odysseus und A2 von Bulli-Smoker.

Für wen das Selbstwickeln geeignet ist

Mit einer guten Anleitung ist es im Prinzip kein Hexenwerk, einen Verdampfer selber zu wickeln. Wer allerdings gerade erst angefangen hat, E-Zigarette zu dampfen, sollte zunächst lieber etwas mehr Zeit investieren, um die Unterschiede zwischen unterschiedlichen Verdampfern und Liquids kennenzulernen. Ehe man mit dem Selberwickeln beginnt, sollte man sich außerdem ausführlich mit der Technik der E-Zigarette beschäftigt haben. Wer nicht versteht, wie und warum der Dampf im Verdampfer entsteht, wird es später schwer haben, die Dampfmenge, den Geschmack und den Flash individuell einzustellen. Diese Prinzipien beruhen nämlich überwiegend auf physikalischen Vorgängen im Inneren des Verdampfers.

Grundsätzlich gilt jedoch: Jeder kann das Wickeln lernen. Ob es Ihnen persönlich gefällt und Sie Spaß daran haben, werden Sie erst erfahren, wenn Sie es ausprobieren. Im Idealfall besorgen Sie sich einfach ein Einsteigermodell und probieren es aus. Sollte es Ihnen nicht gefallen, ist zwar ein wenig Kapital verloren, aber Sie wissen Bescheid. Die Wahrscheinlichkeit ist allerdings groß, dass Sie Freude daran finden.